Werde Botschafter deines Lieblingsmuseums
Sie sind wahrscheinlich vielen bekannt, die Listen die alle Jahre wieder durchs Internet kursieren – ob es um die beliebtesten oder meist besuchten Museen geht, es sind immer wieder die selben Kandidaten die es in die Top 10 schaffen. Aber was ist mit den weniger bekannten Museen, die zwar keine Tausende oder Millionen an Besuchern im Jahr bekommen, aber nicht weniger tolle Ausstellungen haben oder weniger gute Arbeit leisten? Letztes Jahr haben wir mit dem Museum140 Team das Deutsche Röntgen Museum in Lennep besucht, und waren völlig begeistert davon wie toll es ist. Demnach waren wir schockiert, als wir hörten, dass das Museum im Durchschnitt nur 30 Besucher am Tag hat, an den Wochenenden oder in den Ferien vielleicht auch mal 100. Wieso wussten nicht noch mehr Leute von diesem Schatz? In dem Augenblick wurde die Idee für »Adopt-a-Museum« geboren.
Wie der Name schon andeutet, besteht die Idee daraus, das Leute ein Museum »adoptieren«, für das sie sich gerne einsetzen möchten. Natürlich ist es keine echte Adoption, es sind weder Geld noch sonstige offizielle Förderungen mit im Spiel, sondern es ist eher im Sinne davon, ein Botschafter oder eine Botschafterin zu sein. Jede Woche wird auf dem Adopt-a-Museum Blog ein neues Museum von einer neuen Person vorgestellt. Jeder ist herzlich willkommen daran teilzunehmen – wir schicken euch einen kurzen Fragebogen, und es gibt nur einige wenige Richtlinien:
1. Man kann kein Museum adoptieren, in dem man gerade selber arbeitet, egal ob fest angestellt oder ehrenamtlich, denn in dem Projekt geht es nicht um Eigenwerbung.
2. Museen, die schon sehr bekannt oder berühmt sind, kommen nicht in Frage, man kann also z.B. nicht das Louvre oder das British Museum adoptieren.
3. Man muss das Museum mindesten einmal besucht haben, denn wir finden man kann nicht für etwas BotschafterIn sein, das man nie gesehen hat.
Welche Städte oder Länder in dem Projekt vorkommen, hängt gänzlich davon ab, welche Museen die Teilnehmer auswählen. Obwohl es also z.B. bisher eine Tendenz zu Europäischen Museen gab, haben wir das nicht von uns aus vorgeschrieben, und es hat uns besonders gefreut, vor kurzem unser erstes Asiatisches Museum vorzustellen, das Peranakan Museum in Singapur. Im Großen und Ganzen sind die ausgewählten Museen eine gute Mischung aus örtlichen Museen für die Teilnehmer etwas die Trommel wirbeln möchten, heißen Tips aus dem Urlaub die nicht unbedingt im Reiseführer stehen (man muss also nicht unbedingt ein Museum von dort wo man wohnt aussuchen), und in einem Fall sogar ein Museum, das jemand schon immer mal besuchen wollte, und es durch die Teilnahme an Adopt-a-Museum endlich getan hat.
Museen selbst haben bisher auch einiges Interesse gezeigt, mit dem Projekt involviert zu sein, z.B. haben etliche von ihnen uns Fotos zur Verfügung gestellt. Wir werden häufig von Museen gefragt, warum sie sich nicht selbst vorstellen können, aber dann würde sich ja jeder selbst aussuchen und das ist nicht der Sinn des Projektes. Allerdings hat sich daraus etwas Interessantes ergeben, nämlich dass Museen dazu aufgerufen haben, dass sie jemand adoptiert. Dies ist wiederum natürlich erlaubt, und vor kurzem hatten wir unseres erstes Museum auf dem Blog, das darin erfolgreich war jemanden zu finden, und zwar das Timespan Museum in Schottland.
Eine weitere häufige Frage ist, weshalb jeder nur ein Museum adoptieren kann. Der Hauptgrund ist, das wir so vielen Leuten wie es nur geht ermöglichen wollen mitzumachen. Ausserdem ist eine der Fragen »Erzähl uns doch ein bisschen über dich«, und das würde sich ja bei mehrfacher Teilnahme dann wiederholen. Zu dem haben wir festgestellt, dass die Leute viel mehr darüber nachdenken, welches Museum ihnen am meisten am Herzen liegt, wenn sie sich auf eines beschränken müssen.
Vor kurzem hatten wir auf dem Blog unser 25. Museum, was für uns sehr bedeutend war, denn wir haben als Ziel, mindestens 100 Museen vorzustellen – ein Viertel wäre also geschafft! Seit das Projekt letzten Sommer angelaufen ist, hat es riesiges Interesse angezogen, und zur Zeit sind über 50 Fragebögen noch im Umlauf von Leuten, die angefragt haben mitzumachen. Allerdings dauert es meist viel länger, bis wir sie zurück bekommen. Das Gute dabei ist allerdings, das bisher niemand sehr lange warten musste, bis sein Beitrag auf dem Blog erschien – wenn wir plötzlich alle 50+ zurückerhalten würden, müssten einige Teilnehmer Wochen wenn nicht Monate darauf warten, ihren Beitrag auf dem Blog zu sehen!
Dennoch sind wir ständig auf der Suche nach neuen Leuten, die mitmachen, und sind natürlich besonders an Museen in Ländern interessiert, die bisher unterrepräsentiert oder noch gar nicht erschienen sind. Aber wir nehmen natürlich alle Vorschläge gerne entgegen. Wer also teilnehmen möchte, kann uns ganz einfach über unsere Website kontaktieren. Der Fragebogen ist seid neustem auch auf Deutsch, sowie auf Englisch, erhältlich. Deutsche Beiträge übersetzen wir dann für den Blog, der auf Englisch ist. Alle Teilnehmer erhalten übrigens einen unserer tollen »I Adopted A Museum« Aufkleber.
Jenni Fuchs ist Museologin und lebt zur Zeit in Berlin. Sie hat Museum140 gegründet, um interessante Social Media Projekte zu betreiben, bei denen es um Museen geht, wie z.B. Adopt-a-Museum. Informationen über weitere Projekte gibt es auf der Museum140 Website und Jenni und Museum sind bei Twitter unter @jennifuchs und @museum140 zu finden.
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Bin schon am überlegen, welches Museum ich adoptiere – gar nicht so einfach, aber eine super Idee!
Erbt ein adoptiertes Museum auch, wenn ein Adoptierer von uns geht? Ernsthafter: Wieviel Engagement und Verpflichtung ist denn mit dem Adoptieren verbunden? Oder einfacher: Warum nicht in den Förderverein (ok, ist spießig und langweilig, aber von dem Jahresbeitrag hat das Museum vielleicht mehr als von seiner Adoptierung)?
Als Engagement ist erstmal nur das Schreiben des jeweiligen Blog Posts mit dem Adoptieren verbunden, eine weitere Verpflichtung gibt es nicht. Wie viel man sich darüber hinaus an Engagement und Zeit seinem auserwählten Museum widmen möchte, ist einem selbst überlassen. Natürlich könnte man auch statt dessen einem Förderverein beitreten, aber nicht jedes Museum hat so einen Verein, und es geht natürlich auch beides zusammen ;-)
[...] In February, the new digital magazine sisterMAG launched, featuring an article about Adopt-a-Museum! The project was also featured that same month on the German blog Ausstellungen Einstellungen. [...]