Berühmte Hasen

24.01.2012 § Dr. Erik Straub

Ausstellungen interaktiv im Web entwickeln

Wie gestalte ich meine Ausstellung modern und nachhaltig, mit einem möglichst geringen Einsatz an Ressourcen? Unsere Antworten auf diese Frage gehen weit über den Einsatz von Multimedia im Museum hinaus und werfen Fragen zum Umgang mit Inhalten und moderner Technik im Museum überhaupt auf.

Um eine solche Aussage rechtfertigen zu können, muss ich etwas weiter ausholen, damit auch nachvollziehbar wird, woher wir unsere Gewissheiten nehmen. Ich möchte daher kurz den Weg skizzieren, der für uns als Multimediaanbieter ausschlaggebend wurde, über Kostensenkung, Folgekosten und Nachhaltigkeit im Museum nachzudenken. Wir waren 2006 als Berater und Medienplaner im Projekt »Willy Brandt Haus Lübeck« tätig. Ausgehend von den Minimalanforderungen (Licht, Strom, etc.) arbeiteten wir uns damals langsam an die viralen Themen: RFID, Zielgruppenführung, Lichtsteuerung, Multimedia, heran. Allen Anforderungen lag aber letztendlich die banale Erkenntnis zugrunde, dass sie elektrischen Strom benötigen. Und sowohl die Museumsneubauten als auch die meisten Sanierungen kommen nicht um eine neue Verkabelung herum. Davon ausgehend, möglichst alle oben genannten Anforderungen über das Stromnetz abbilden zu können, stiessen wir auf das Hausbussystem von LCN, der Firma Issendorff. Dieses bietet sowohl alle, für die Gebäudesicherheit notwendigen Sensoren, als auch eigene RFID Module und Kopplungen zum Internet. Die einzige Voraussetzung für den Einsatz eines solchen Systems stellte eine Verkabelung mit 5adrigem Kabel dar. Die dadurch entstehenden Mehrkosten fielen gering im Vergleich zu den hinzugewonnenen Möglichkeiten aus. Denn wenn ein solches Kabel verlegt ist, kann noch Jahre später eine Nachrüstung mit intelligenten Modulen erfolgen und so einem Hausbus aufgesetzt werden. Unsere Aufgabe war es dann, eine Schnittstelle zu diesem Hausbus zu schaffen, um auch die Multimedia darüber steuern zu können. Von einem internetbasierten Redaktionssystem aus kann man nun die Inhalte für die einzelnen Vitrinen aus allen vorhandenen Datenbanken zusammenstellen und direkt an diese senden. Das System ist inhaltsoffen, es kann also von den Mitarbeitern selbst gepflegt und erweitert werden.

AE Wie lautet die Aufgabenstellung Ihres neuen Projekts, »berühmte Hasen«?

»Das Ausstellungskonzept »Berühmte Hasen« hat die Aufgabe, unsere bisherigen Anwendungen weiterzuführen. Am Beispiel einer Multimediavitrine und eines Exponats sollen verschiedene Formen der Interaktion durchgespielt werden. Immer verknüpft mit Anwendungen und Anforderungen aus dem Museumsalltag: Lichtsteuerung, Inhaltsproduktion, Social Media, etc. Die Vitrine soll langsam inhaltlich und technisch so ausgebaut werden, dass sie das gesamte Anwendungsspektrum von Multimedia im Museum zeigt. Begleitend  werden die, dafür notwendigen, technischen Möglichkeiten vorgestellt und diskutiert.«

AE Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Projekt?

»Letztendlich soll das Projekt unsere Arbeit und Umgang mit einem beliebig gewählten Inhalt, hier  »Berühmte Hasen« sichtbar machen. Wir verstehen uns aufgrund unserer anderen Geschäftsfelder als inhaltsgetriebener Multimediadienstleister. Der Inhalt ist dabei die Message, nicht das Medium.«

AE Wie wirkt sich Ihr Anspruch nachhaltig zu arbeiten auf die Konzeption der Ausstellungstechnik aus?

»Hauptsächlich dadurch, dass wir bei der Umsetzung auf wiederverwendbare Standardkomponenten setzen. Diese sind kostengünstig und leicht zu beschaffen. Und das auch noch in zehn Jahren. Die Vitrine, die wir für die »Berühmten Hasen« einrichten werden, besteht ebenfalls aus Standardkomponenten. Diese können falls nötig einzeln in einem anderen Projekt verbaut werden.«

AE Warum verfolgen Sie überhaupt ein nachhaltiges Konzept ?

»Wir reagieren damit auf kleine Budgets, wie sie für Sonderausstellungen typisch sind. Hier kann ich mir für jedes Projekt oft nicht mehr als einen Vitrinensatz beschaffen. Im Lauf von ein paar Jahren kann ich so aber auch eine komplett multimediale Sonderausstellung mit Technologie, die ich genauso in der Dauerausstellung einsetzen kann, erstellen.«

AE Wie sieht so ein Vitrinensatz konkret aus?

»Die Vitrine verfügt z.B. nicht notwendigerweise über einen Touchscreen- die sind noch sehr hochpreisig. Wir tendieren hier eher dazu, einen gewöhnlichen Monitor hinter eine Glasplatte zu stellen und diesen dann mit vier Unterglasschaltern zu kombinieren. So ist die Konstruktion günstig und wartungsarm, verfügt aber auch über eine Interaktionsmöglichkeit mittels Tasten, z.B. für Quizzfragen. Und sie bietet einen weiteren Vorteil: Touchscreens verlangen nach touchfähigem Inhalt und der ist mit deutlich höheren Erstellungskosten verbunden – gar nicht zu reden von Augmented Reality.«

AE Welchen Vorteil hat ein Besucher von Ihrem nachhaltigen Konzept?

»Wir statten unsere Vitrine mit einer RFID-Transponderantenne aus. Dies ermöglicht die inhaltliche Reaktion auf beliebig viele Besucherkarten, die als Zielgruppen oder Fremdsprachen angelegt wurden. Dies tun wir deshalb, weil wir glauben, dass die Ortung des Besuchers im Museum für ihn noch keinen Mehrwert darstellt. Wenn ich Ihn habe, was mache ich dann mit ihm? Ich versuche ihm das zu geben, was er will: also location based services in einem Museum – das muss eine inhaltliche Leistung berücksichtigen, also personalisierter Inhalt.«

AE Dann hat Ihre Herangehensweise auch Auswirkungen auf die Inhaltsebene?

»Wie oben bereits angedeutet, wird Nachhaltigkeit im Museum erst dadurch erreicht, dass die Prozesse in einem Museum ganzheitlich und gewerkeübergreifend betrachtet werden. Daher muss die eingesetzte Technologie auch unmittelbare Auswirkungen auf die Inhaltsproduktion haben.«

AE Wie sähe eine solche Inhaltsproduktion aus?

»Um eine nachhaltige und kostengünstige Inhaltsproduktion zu gewährleisten, nutzten wir eine Art der Inhaltsaufbereitung, die wir »generisch« nennen. Besonders deutlich wird der Vorteil dieser Art von Produktion bei Filmen. Diese werden von uns in kleinste Sinneinheiten aufgeteilt und untertitelt. So sind die einzelnen Filmminuten durchsuchbar und können beliebig aneinander gereiht  werden. Auf Basis generischen Inhalts ist es auch leicht möglich, zielgruppenspezifisch zu arbeiten. Die Zuordnung, an die einzelnen Zielgruppen, erfolgt dann mittels RFID.«

AE Wie muss ich mir die Umsetzung einer solchen Inhaltsproduktion vorstellen?

»Für eine zielgruppenspezifische Inhaltsproduktion ist es unerlässlich, eine Vielzahl von Autoren zu beschäftigen oder über einen langen Zeitraum kontinuierlich zu produzieren. Auf möglichst viele Schultern verteilt, schaffe ich nicht nur viel Inhalt, ich löse auch im Idealfall die Zielgruppenproblematik, wenn ich die Autoren klug wähle, bzw. alle zulasse. Es gibt für jeden Inhalt einen Abnehmer. Hier wird der große Vorteil von stationären Systemen gegenüber Audioguides deutlich: kleiner Invest, kleine Wartungskosten, keine Einstiegshürde von Audioproduktionen. Ich kann auch alles per Text auflösen.«

AE Welche Voraussetzungen gibt es noch dafür?

»Eine solche Inhaltsproduktion erfordert oft eine Bündelung von Ressourcen, die innerhalb und außerhalb des Museums liegen. Innerhalb des Museums geht es wie gesagt  darum, eine möglichst breite Inhaltsproduktion anzufahren. Und da stellt es sich oft als Herausforderung Mitarbeiter dazu zu motivieren, einen Beitrag zu einen großen Inhaltspool zu leisten. Ansonsten hat man wieder das Problem der Redaktion. Dieses Problem ist im Normalfall zeitlicher Natur. Es existiert oft nicht genug Personal, um neben den Verwaltungsaufgaben noch inhaltlich zu arbeiten.«

AE Welche Vorbehalte sind bei einer solchen Produktion zu erwarten?

»In einigen Fällen wird auch ein Thema sein, dass ein Haus nach außen hin geschlossen kommunizieren möchte, und widersprüchliche Meinungen zu einem Thema nicht gefragt sind. Ein Blick auf Wikipedia zeigt jedoch, dass dies ein heute untragbares Konzept darstellt. Eine Markenkommunikation muss u.U. eindeutig sein, die Kommunikation der Inhalte darf das gerade nicht sein. Denn sonst fühlen sich nicht genug Personen davon angesprochen. Gerade die Geschlossenheit der musealen Einrichtung baut das Internet zu einer Konkurrenz auf, die es nicht sein muss. Im Gegenteil, Museen können von der inhaltlichen Ergänzung aus dem Internet profitieren.«

AE Jetzt sprechen Sie einen sehr wichtigen Punkt an. Wie beurteilen sie die gegenwärtige Lage des Museums?

»Das Museum der Gegenwart erlaubt aus technischen und monetären Gründen nur eine unidirektionale und damit eine Einbahnstrasse für Inhalte. Ein einmal in Multimedia gegossener Inhalt muss in dieser Form Monate u.U. auch über Jahre Bestand haben. Besucher, die sich mehrfach in einem Museum bewegen, werden in Daueraustellungen oft noch nach Jahren mit den gleichen Objekterläuterungen konfrontiert.«

AE Worum geht es Ihnen dabei?

»Uns geht es darum Alternativen zu vorhandenen Lösungen aufzuzeigen, technisch, inhaltlich und konzeptionell. Die Qualität eines Museums wird unserer Meinung nach stark vom Inhalt bzw. der Aufarbeitung der Inhalte bestimmt. Nicht immer ist die teuerste Lösung da auch die Beste. Die Wirkung von Multimedia ist stark konzeptabhängig. Tendenziell ist sie immer da von Vorteil, wo viel Flachware vorhanden ist, bzw. viel Inhalt.«

AE Warum sollte man dazu überhaupt auf Multimedia setzen?

»Wir leben in einer Zeit starker Individualisierungstendenzen. Meine Adressaten multiplizieren sich auch im kulturellen Bereich gerade. Der Vorteil des Digitalen ist ja gerade, dass es nicht inhaltsbeschränkt ist, wie ein DINA4 Blatt. Uns geht es darum, gerade diese Inhaltsoffenheit einzulösen und immer weiter auszudehnen. Was nützt mir ein digitales Museum ohne Inhalt oder nur mit einer dürftig bespielten Dauerausstellung.«

AE Was darf der Besucher Ihrer Meinung nach heute von einem Museum erwarten?

»Besucher erwarten heute zu Recht mehr von einem Museum, als eine Inventarnummer mit Namen darunter. Leider glaubt man in manchen Museen immer noch an die auratische Wirkung der Exponate. Ohne kontextuelle Einbettung, auf Seiten des Besuchers, wartet man allerdings vergeblich auf diese Wirkung. Dazu muss der Besucher ja Interesse oder Kenntnisse mitbringen. Wenn er dies nicht tut, dann muss ich ihn abholen. Wir erproben mit »Berühmte Hasen« die unterschiedlichsten Szenarien für einen solchen Abholdienst.«

AE Was ist besonders und innovativ an der Projekt-Idee?

»Das Projekt »Berühmte Hasen« bringt mehrere Ebenen der musealen Arbeit zusammen. Es zeichnet sozusagen den Wege eines Exponates nach. Von seinem Eintreffen im Museum, bis hin zu seiner Präsentation in der Ausstellung, bzw. Interaktion im Netz.«

AE Ein Beispiel dazu, wie so etwas aussehen könnte?

»Wir möchten anhand einer speziellen Objektdatenmaske zeigen, wie bereits auf der untersten Ebene (Objekterfassung) nachhaltiger Inhalt produziert werden kann. Für alle Besucher die sich besonders für die Fakten interessieren ist die Maske so gestaltet, dass Inhalt von definierten Feldern direkt an eine e-ink Exponatkarte gesendet wird.«

AE Und wie füllen Sie das System dann mit Inhalten?

»Nach Aufstellung der Vitrine geben wir auch für Kuratoren aus dem Netz die Inhaltsebene frei. Hier können Texte für Zielgruppen erzeugt  und mit anderen Inhalten verknüpft werden.«

AE Was machen Sie mit den einzelnen Inhalten?

»Ein weiterer Schritt wird dann sein, das Führungsmodul freizuschalten. Jeder Online-Kurator kann hier Text, Bild, Ton, Video und Licht zu einer szenografischen Führung kombinieren.«

AE Sind darüber hinaus noch weitere Features angedacht?

»Auch die Interaktion mit dem Exponat wird ermöglicht. Besuchern der Online-Ausstellung stehen dann die unterschiedlichen Führungen zur Verfügung und die Interaktionsmöglichkeiten in Form von Licht, Exponat und Quizz. Der Besucher kann darüber hinaus seine Email-Adresse hinterlegen und bekommt dann eine monatliche »Rabbitmail« mit Neuigkeiten von »Berühmte Hasen«.«

AE Wo könnte das Projekt-Ergebnis konkret zum Einsatz kommen?

»Wir sind gerade Technologiepartner der Issendorff GmbH geworden und denken, neben einer gemeinsamen Produktentwicklung darüber nach, einen Showroom einzurichten. Die Multimediavitrine wäre dann Teil dieser lokalen Installation. Dies würde es auch erlauben die Beleuchtung, bis hin zu einzelnen Lampen, vom Internet aus zu steuern. Darüber hinaus sind andere Interaktionsmöglichkeiten mit dem Gebäude denkbar.«

AE Ich kann mir vorstellen, dass es nicht so einfach ist, die Besucher mit ihren Wunschinhalten zu versorgen?

»Das stimmt. Eine weitere Anwendung für die im Internet gesammelten und erstellten Inhalte, wäre daher die Einbindung unserer Relvancertechnologie. Hier könnten wir erstmals im Kulturbereich ein automatisches Redaktionssystem einsetzen. Wir würden uns also beim Onlinebesucher die Erlaubnis holen, ihn während der Interaktion mit der Multimediavitrine zu beobachten. Aufgrund dieser Daten möchten wir dann eine automatische Führung nach den Interessen des Besuchers generieren. Damit  wären wir dann vielleicht schon bei einer kleinen Sonderausstellung angelangt.«

AE Es sind also auch Museen als Aufstellungsorte vorgesehen?

»Es ist  sehr reizvoll diesen Ansatz in Gedanken einmal weiterzuspinnen. Es half uns zumindest sehr für das generelle Verständnis von Inhalt und Technologie und deren aktuellem Verhältnis zueinander. Wenn genügend Inhalte vorhanden sind, dann wäre es möglich, auch für vorhandene Dauerausstellung eine zweite Ebene zu öffnen. Eigentlich so wie bei Alice im Wunderland. Überall in der Dauerausstellung verteilt sind sog. Rabbitholes, die den Einstieg in den Inhalt von »Berühmte Hasen« ermöglichen. Die Inhalte werden als semantisches Netz über einen bestehenden Kontext geworfen. So entsteht etwas völlig Neues durch Gegenüberstellung und Interaktion. Wir haben bei unserer Planung festgestellt, wie anpassungsfähig das Hasenthema sein kann. Egal ob man sich mit Literatur, Film oder Kulturgeschichte auseinandersetzt – es gibt immer den passenden Hasen!«

AE Wer kann mitmachen? Wie motivieren Sie die Leute ohne Geld?

»Als Besucher kann jeder teilnehmen, sobald die Vitrine fertiggestellt ist. Aber auch vorher ist es möglich sich an der Diskussion zu beteiligen oder Beiträge einzureichen. Auf unserem Tumblrblog kann man sich über den aktuellen Stand der Vorbereitungen informieren. Ich möchte mal behaupten, dass die Motivation mit der Konkretisierung des Projektes auch steigt. Das spannende an der Aufgabe ist es ja das Internet in das Museum zu bringen und umgekehrt. Bisher wird das Internet nur als Werbemedium gesehen oder um Zugriff auf Datenbanken zu ermöglichen, also zum wissenschaftlichen Informationssaustausch. Was aber, wenn es gelingt über solche  Konzepte einen objektgebundenen Erfahrungs- und Erlebnisaustausch anzutriggern.«

AE Gibt es eine Redaktion/Deutungshoheit/Qualitätskontrolle?

»Es wäre natürlich schön, wenn man dem allen freien Lauf lassen könnte. In dem Moment, wo ich digital speichere, zuordne und ausgebe, habe ich ja kein Mengenproblem mehr – nur eventuell ein Qualitätsproblem. Dieses kann ich aber dadurch umgehen, dass ich Besucherprofile erzeuge und die mit den vorhandene Inhalten matche. Der Markt regelt sich dadurch selbst. Die einzige Voraussetzung dafür ist natürlich, dass genügend Inhalt da ist. Und es bedarf einer Menge an Inhalten, um ein solches System sinnvoll fahren zu können. Daher ja auch die Öffnung zum Internet hin.«

AE Sind unterschiedliche Befugnisse für Autoren angedacht?

»Ja, denn was die Rechteverwaltung angeht, so fahren wir seit Jahren sehr gut mit einem mehrstufigen System. Dies ermöglicht es bestimmt Grade von Öffentlichkeit festzulegen. Darüber hinaus, ob nur angesehen oder auch verändert werden kann.«

AE Können Sie mir hierzu ein Beispiel geben?

»Ein Journalist meldet sich und bittet um Bildmaterial und Texte zu einem Thema. Diese Anfrage wird dann als Szenario diskutiert und anschließend als Prozess im System für ähnliche Anfragen abgelegt. Ich kann dem Journalisten über eine gültige Email-Adresse dann Zugang zu freigegebenen, rechtlich unbedenklichem Bildmaterial geben und auch zu den freien Texten. Die anderen Bilder sieht er nicht. Er kann mit seinem Account auch nur die Bilder herunterladen, nicht bearbeiten oder löschen. Der Account läuft nach x Tagen ab und das war es dann. D.h. Anfrage-Standardemail mit Passwort als Antwort – fertig. Gerade für Aufgaben, die häufig auftreten, lohnt sich eine solche Prozessverwaltung.«

AE Könnten z.B. Schüler mit dem System auch arbeiten um ihren Besuch im Museum vorzubereiten?

»Ja, die Schüler könnten sich bereits von zu Hause aus ihre eigene Museumsführung zusammenstellen. Diese wird dann auf eine RFID Karte gespeichert. Hält man die Karte an eine Multimediavitrine, dann wird der vorbestellte Inhalt geliefert. Ein solches System, intelligent eingesetzt, ist eben in mehrfacher Hinsicht nachhaltig.«

AE Die Frage nach der Deutungshoheit haben Sie noch nicht beantwortet…

»Um auf die Frage zurückzukommen, ich denke von der Deutungshoheit muss man sich verabschieden. Die explosionsartige Verbreitung von Internetforen deutet darauf hin. Wichtig erscheint mir in dem Zusammenhang eher die Urheberschaft und die Nennung der Quellen auf die man sich bezieht. Wenn man die als Grundlage nimmt, dann sind wir gewillt jeden nicht anonymen Beitrag, der sich auf eine gültige Email-Adresse zurückverfolgen lässt, zuzulassen. Ein paar AGBs mehr müssen es leider noch sein für Verwendungsrechte und auch für den höflichen Umgang untereinander. Das Projekt »Berühmte Hasen« soll ja gerade auch helfen diese Fragen zu beantworten. So denke ich, dass die Redaktion auf die Kontrolle der vorgegebenen Formalien beschränkt bleibt. Und die Qualität wird sich hoffentlich selbst regulieren durch die Abrufzahlen einzelner Inhalte. Das Ganze funktioniert aber erst ab einer kritischen Masse an Beiträgen und Online-Kuratoren.«

AE Warum sind solche Konzepte Ihrer Meinung nach nötig?

»Ich glaube, dass wir uns gerade, was den analogen Inhalt angeht, in einer Krise befinden. Die interessanten Sachen passieren im Netz. Gegen diese gebündelte Power an Information ist kein Ankommen. Wir sind auf der einen Seite Opfer von Überinformation – was ist relvant? und auf der anderen Seite sind wir unterinformiert – schon mal die Erfahrung gemacht, alles im Museum erfahren zu haben, was sie wissen wollten? Ich nicht. Man kann dies wirklich als analog/digital Phänomen betrachten. Von unseren Kunden aus dem Verlagswesen wissen wir, dass die Verkäufe seit Jahren stark rückläufig sind. Daher wird jetzt zunehmend digitalisiert. Es geht hier wohlgemerkt nicht um den Verkauf von e-books. Es geht darum, dass sie ohne digitalen Inhalt heute kein Taschenbuch mehr verkaufen können. Ein nicht sofort erfolgreiches Buch ist Opfer der Überinformation und verschwindet. Und zwar nicht nur aus dem Buchladen, sondern auch aus dem Netz.«

AE Was bedeutet das Ihrer Meinung nach für Museen?

»Museen sind ebenfalls an der Erstellung und Verwaltung von Inhalten beteiligt und schauen sie sich die Situation an. Museen haben heute keinen entsprechend aufbereiteten Inhalt, um im Internet mitspielen zu können. Das erklärt u.a. das zögerliche Verhalten beim Thema Apps. Ich möchte nicht sagen, dass Museen und Verlage einen Fehler bei der Digitalisierung ihrer Bestände gemacht haben. Eher trifft die Aussage zu, dass die meisten nicht wussten, wofür sie digitalisieren oder was sie mit den Inhalten machen wollen. Und damit sind wir heute konfrontiert. Eine Vielzahl unterschiedlicher Datenbanken, unterschiedliche Datenformate, keine Schnittstellen zum Austausch von Informationen.«

AE Sie sprechen damit die Erfassung und Vernetzung der vorhandenen Daten in einem Museum an?

»Auch hier sind wir an einem Punkt angelangt, an dem man nicht mehr von Hand arbeiten kann. Ein händischer Thesaurus einer großen Museumssammlung, ist heute nicht mehr zu bezahlen und auch nicht unbedingt sinnvoll. Digital sieht das anders aus. Wenn ich die Daten erfassen kann, dann ist auch eine Thesaurierung kein Problem. Wir sind also mit Ausläufern einer Entwicklung konfrontiert, die vor mehr als zwanzig Jahren ihren Anlauf nahm. Und wenn ich hier nicht am Entstehungspunkt ansetze, dann laufen meine Kosten jedesmal von Neuem auf, wenn ich mich inhaltlich bewegen möchte. Egal, ob es sich um eine App, einen Audioguide, einen Katalog oder die eigene Dauerausstellung handelt. Also, wie nutze ich sinnvoll vorhandene Ressourcen, um inhaltliche  Lücken zu füllen, die mein Budget sprengen würden, wenn ich es alleine täte. Das soll der Hase mal beantworten!«

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