Buchstabenmuseum

23.04.2010 § 0

Buchstaben wie alte runzlige Gesichter:
lebendig und voller Geschichten

Das Buchstabenmuseum ist zurzeit eher noch eine kleine versteckte Schatzkammer mit sagenumwobenem Inhalt als ein Museum. In den beiden angenehm ungestylten Räumen fühlt man sich sofort wohl und möchte auf Entdeckungsreise gehen. Für manch einen könnte das Schaudepot allerdings auch wie eine Rumpelkammer wirken, aber mal ehrlich, ist das nicht viel aufregender als blank polierte Buchstaben an einer sterilen Wand?

»Buchstaben sind Chiffren mit charakteristischer Form und vielfältiger Materialität, sie transportieren Images, sie verschlingen sich zu Tattoos oder sie schmecken als Suppeneinlage und Gebäck.«

Die unterschiedlichsten Exemplare stapeln sich bis unter die Decke, stehen aneinander gepresst in den Ecken und liegen flach auf dem Boden verstreut. Das fühlt sich irgendwie natürlich an und man kann so jeden Buchstaben einzeln und von allen Seiten betrachten.

Buchstabenmuseum Buchstabensammlung

Buchstabensammlung

Den beiden Gründerinnen des Museums Barbara Dechant und Anja Schulze ist es wichtig die »Objekte aus ihrem eigentlichen Gebrauchszusammenhang herauszulösen«. Während man im Alltag ausschließlich auf der Suche nach dem Informationsgehalt der Schriftzüge die Straßen entlang hetzt, findet man hier die Ruhe um die wahre typografische Schönheit in liebevollen Details zu erkennen. Mich faszinieren insbesondere die Witterungsspuren, sie lassen die mächtigen Metallbuchstaben wie runzlige Gesichter wirken: lebendig und voller Geschichten.

Witterungsspuren

Risse, Rost und Spinnenweben

Hier geht es erfrischender Weise nicht darum blinkende Markennamen zur Schau zu stellen, sondern um wahre Sammlerleidenschaft, historische Dokumentation und darum handwerkliche Schätze vor dem Aussterben zu bewahren.

»Durch die zunehmende Vereinheitlichung des Stadtbildes verschwinden handwerklich hochwertige Schriftzüge, Zeichen und Schilder aus dem öffentlichen Raum. Aufgrund des Aussterbens traditioneller Firmen, aber auch der grafischen Überarbeitung von Wortmarken, gehen regionale und historische Zeichen verloren.«

Wer sich für Typografie nicht so begeistern kann, findet vielleicht Interesse an den leuchttechnischen Eigenheiten der Buchstaben, denn hier hat man Gelegenheit auch mal hinter die Kulissen bzw. ins Innerste der Metallkörper zu schauen: von sich windenden Neonröhren und selbstleuchtenden Buchstaben bis hin zu merkwürdig verkabelten Rückansichten ist einiges zu sehen.

Souveniere

Buchstabensouveniere

Wer sich ein Andenken mitnehmen möchte, kann sich Buchstabenkettenanhänger in verschieden Farben und Schriften kaufen. Ich werde dieses Museum auf jeden Fall immer mal wieder besuchen und hoffe, das es seinen natürlichen Charme behält und nicht irgendwann zu einem dieser durchgestylten Retro-Läden wie im Prenzlauer Berg mutiert. Und vielleicht gibt es ja irgendwann auch Buchstaben aus anderen Schriftsystemen zu bestaunen: Kyrillisch, Arabisch, Sanskrit…

{ fin }

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