Das Abenteuer Archäologie im Comicformat
Antreten zum Staunen! Als 1913 in Köthen mit der Sammlung und Ausstellung archäologischer Funde begonnen wurde, führte man Erwachsene und Kinder an Vitrinen vorbei, in denen die Fundstücke präsentiert und knapp beschriftet zur Schau gestellt wurden. Der Begriff »Museumspädagogik« gehörte damals zu den noch nicht erfundenen Worten und die Vermittlung von Geschichte beschränkte sich nur zu oft auf das pure »Büffeln« von Ereignissen und Jahreszahlen. Auch in späteren Jahrzehnten hieß es bei Museumsbesuchen von Schulklassen nur zu oft: »Antreten zum Staunen!« Dadurch bedingt gelang es eigentlich selten, den Kindern Geschichte als interessant und spannend zu vermitteln und wirkliches Interesse zu wecken.
Die Zukunft liegt in Kinderhänden
Was, wenn Heimatgeschichte, Tradition und Erbe in zwanzig oder dreißig Jahren kaum noch eine Rolle spielen, wenn Leben vorwiegend in multimedial geprägten, virtuellen Räumen stattfindet? Was geschieht mit den Sammlungen und Museen wirklich, wenn die Kinder der heutigen Grundschulgeneration als Stadträte, Kreis- und Landtagsabgeordnete über deren Existenz zu befinden haben? Werden die Sammlungen später noch genug Besucher ansprechen können? So oder ähnlich lässt sich der Ausgangspunkt des Nachdenkens in der Köthen Kultur und Marketing GmbH über die Möglichkeiten neue Wege in die Köpfe und Herzen der nächsten Generation zu finden beschreiben.
»Die Zukunft liegt in Kinderhänden.« Ist der Tenor aller Überlegungen. Das Ergebnis ist ein Konzept für die neue Ausstellung »Abenteuer Archäologie« und der Plan zur Gestaltung eines dazu passenden Comics.
Dobo und das Geheimnis des Heidenbergs
Zuerst erblickt ein pfiffiger Junge das Licht des Papiers. Dobo, so sein etwas zeitloser und trotzdem modern anmutender Name, lässt sich nicht auf ein bestimmtes Alter festlegen, ist Kind genug, die Welt mit Kinderaugen zu sehen und so erwachsen, dass er auch in der Welt der Erwachsenen seinen Platz hat. Er ist ein Zeitreisender, ohne Herkunft, ohne Ziel, aber eigentlich immer da zu Hause, wo er sich innerhalb der Geschichte aufhält.
Dobo ist die Verbindung der Kinder zu den Protagonisten der Geschichte, die Figur in die sie sich hineinlesen, besser noch hineinleben können. Seine erste Bewährungsprobe soll er im Umfeld der Ausgrabungen am Schortewitzer Heidenberg erleben. Die Grabung, deren Funde in der Prähistorischen Ausstellung zu sehen sind und die Protagonisten, Professor Walther Götze und Pastor Eichhorn, gab es wirklich, andere Figuren werden dazu erfunden. Und so entsteht in Grundzügen der Inhalt für »Dobo und das Geheimnis des Heidenbergs«.
Wie reist Dobo durch die Zeit?
Das auf 20 Bilder angelegte Manuskript entsteht Stück für Stück am Schreibtisch. Personen beginnen Charakter zu bekommen, der sogenannte »rote Faden« bekommt mehr und mehr Kontur und irgendwann gibt es das erste Gespräch mit dem Köthener Zeichner Steffen Fischer, der das erste Manuskript und die Fotos von Götze und Eichhorn mit in seine Werkstatt nimmt. Tage später ein nächstes Treffen und die Frage von Fischers Sprössling: »Wie reist Dobo durch die Zeit?«
Natürlich, das wir daran nicht gedacht haben? Für Kinder muss alles logisch und nachvollziehbar sein! Also bekommt Dobo ein Tuch, ein Zaubertuch natürlich, mit dem er von Jahrhundert zu Jahrhundert springen kann und sicherheitshalber auch gleich noch eine Umhängetasche, in der er vom Taschenmesser bis zum Schlauchboot alles transportieren kann, was er als waschechter Zeitreisender so alles benötigt.
Alle Häuser brennen, wenn dort gegraben wird.
Aberglauben spielte früher auch in Schortewitz, wie in vielen ländlichen Gebieten eine bestimmende Rolle. Und so hielt sich in dem kleinen Dorf an der Fuhne jahrzehntelang das Gerücht vom verwunschenen Heidenberg. »Alle Häuser brennen, wenn dort gegraben wird.« hieß es. Ein schöner Ausgangspunkt für die Geschichte um Dobo, Walther Götze und Pastor Eichhorn. Dazu gesellen sich bald der Raubgräber Wangemann, der Privatsammler Schneidereit, Wachtmeister Osterland, Marie, die Haushälterin des Pastors und Emma, ein Mädchen aus dem Dorf. Steffen Fischer studiert Fotos und Zeichnungen aus der Zeit um 1913 und staffiert die Figuren, nachdem er Ihnen zeichnerisch ein Gesicht verliehen hat, mit der entsprechenden Bekleidung aus.
Ich hätte nicht gedacht, dass Archäologie so spannend ist.
Noch in diesem Jahr, voraussichtlich Anfang Oktober, soll der Comic fertig gedruckt vorliegen und bereits auf die neue Dauerausstellung »Abenteuer Archäologie« hinweisen, in der Dobo gemeinsam mit Professor Götze die Führung und Erklärung übernehmen wird. Der Comic selbst soll dann jährlich erscheinen und immer neue, stadtgeschichtlich relevante Themen auf spannende Art und Weise beleuchten. 2012 heißt es »Dobo und das Geheimnis des Notenschlüssels« und dabei geht es natürlich um Johann Sebastian Bach, während 2013 eine Begegnung Dobos mit Johann Friedrich Naumann, dem Begründer der Ornithologie geplant ist.
Vorerst jedoch werden in den nächsten Wochen die »Kulissen« für das erste Abenteuer gezeichnet und natürlich müssen die Figuren entsprechend in Szene gesetzt werden. Was die Grabung am Heidenberg selbst angeht, so erfolgt die Kontrolle der fachlichen Richtigkeit durch den Leiter der Prähistorischen Sammlung Andreas Geisler. Und für die erste Bewertung des Ganzen werden dann ein paar Kinder aus der Stadt zum Mitmachen eingeladen.
Und hoffentlich halten sie es nach dem Lesen wie Dobo, der am Ende seines Abenteuers sagt: »Ich hätte nicht gedacht, dass Archäologie so spannend ist.«
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Ich kann mir gut vorstellen, dass so ein Comic ankommt bei der jungen Zielgruppe. Vor allem, wenn er nicht so anbiedernd mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommt. Ich wünsche viel Erfolg damit und freue mich über ein paar kleine Kostproben, die vielleicht nochmal hier veröffentlicht werden!!