Medientechnik für Jung und Alt?

30.12.2011 § Ulrike Elste

Generationenübergreifende Lösungen

Die Museumsbesucher werden in Zukunft nicht jünger, sondern immer älter. Darauf müssen sich Museen einstellen. Doch mit hochmoderner Medientechnik in ihren Ausstellungen scheinen die Museen hauptsächlich das junge Publikum anzusprechen. Einige dieser Medien sind für Besucher hohen Alters sogar nahezu unbenutzbar. Um  den Senioren die Medientechnik bedürfnisgerecht zugänglich zu machen, müssen also neue Lösungen her.

Museumsmedien sind ein unverzichtbarer Bestandteil der musealen Vermittlungsarbeit. Sie treten in großer Vielfalt in Erscheinung – analog als Wandtext, Katalog, Handreichung, aber auch digital als Audioguide, Multimediaguide oder  Medienstation. Während das jüngere Publikum gern auf die Technik als Informationsmedium zurückgreift, bevorzugen die älteren und alten Besucher die analogen Informationsquellen in der Ausstellung. Jeder nutzt das, was er mag. So scheint es jedenfalls. Medientechnik wird oftmals angeschafft als Anreiz für das junge Publikum und für das Image, technisch fortschrittlich zu sein. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn Museen müssen fortschrittlich. Doch sollte sich Medientechnik nicht grundsätzlich an alle Besucher richten, also auch an die Älteren und Alten? Diese Überlegung kommt oft zu kurz. Eine Smartphone-Applikation wird beispielsweise von vornherein nicht für alte Menschen entwickelt. Diese besitzen meist gar kein geeignetes Gerät. Diese Besuchergruppe nutzt stattdessen die herkömmlichen Informationsmedien in der Ausstellung – also Objekttexte, Kataloge etc. Doch sollte dieser Besuchergruppe die Nutzung dieses modernen Mediums nicht wenigstens ermöglicht werden?

Apps sind eine tolle Sache. Aber das nötige Fingerspitzengefühl für die Bedienung hat nicht mehr jeder. © Ulrike Elste

Ein anderes Beispiel: Seit über 10 Jahren gibt es Audioguides in Museen. Noch heute kann man den klassischen großen Audioguide mit haptischen Gummitasten erwerben oder das schicke kleine Modell mit Touchscreen-Oberfläche. Welches Modell wird von den Museen wohl bevorzugt? Und welches Modell ist für einen 80 jährigen Museumsbesucher wohl leichter zu bedienen?

Ein seniorenfreundlicher Audioguide. © soundgarden audioguidance

Museen können sich nicht einzig und allein auf die Senioren als Zielgruppe einstellen – ganz abgesehen davon, dass es „die Senioren“ als homogene Zielgruppe gar nicht gibt. Aber es ist bedauernswert, dass man die Senioren aus der Nutzung der Medientechnik von vornherein (oft) ausschließt. Ein schickes Design und höchste Modernität scheinen wichtiger zu sein als die Besucherorientierung. Dabei gibt es ganz simple Lösungen. Warum stellt man im Museum nicht klassische und moderne Audioguides gleichzeitig zur Verfügung? So gibt es für jede Altersgruppe das passende Gerät mit ein und demselben Inhalt.

Die jüngsten Senioren wollen jetzt und in Zukunft moderne Medientechnik nutzen. © Pixelio

Abgesehen von den Audioguides gibt es aber noch eine Vielzahl anderer medientechnischer Produkte. Wie finde ich für diese eine zielgruppenübergreifende Lösung? Wie mache ich z.B. Museumsapps für das Smartphone auch für die älteren Besucher nutzbar, wenn diese nicht mal ein Handy besitzen? Auch hier ist eine einfache Lösung möglich: Apps für das Smartphone können für entsprechende Tablets problemlos parallel entwickelt werden. Tablets haben eine große, gut sichtbare und kontrastreiche Oberfläche. Apps sind i.d.R. leicht zu bedienen durch ihre Reduzierung auf das Wesentliche. Es ist bekannt, dass alte Menschen mit iPad & Co. gut zurecht kommen. Tablets könnten vom Museum zur Verfügung gestellt und gezielt an die älteren Besucher ausgeliehen werden. Gemeinsame Tablet-Führungen in der Gruppe machen dazu auch noch Spaß. So können die Senioren in den Genuss einer hochmodernen App kommen.

Haben Sie auch eine Idee oder Meinung zu diesem Thema? Ich würde mich sehr freuen, mit den Lesern in Austausch zu treten.

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§ 3 Kommentare

  • Dorian sagt:

    Klassische und moderne Audioguides gleichzeitig zur Verfügung zu stellen dürfte für die meisten Museen zu kostenintensiv und logistisch zu aufwendig sein. Ich glaube nicht, das man Apps nicht auch so einrichten kann, das auch ältere Besucher sie nutzen können – das Problem liegt häufig bei zu kleinen Tasten, zu komplizierten Bedienkonzepten und zu breiten Angeboten – kein Problem, was man nicht lösen könnte.

    Ich denke sogar, das es wichtig ist, Technik-unaffinen Menschen ein Minimum an Medienkompetenz zu vermitteln – warum also nicht im Museum, wo es nichts macht, wenn man auf die falsche Taste drückt? Wenn man einen digitalen Personalausweis hat, sollte man auch wissen, was “digital” bedeutet.

    Problematisch ist allerdings, das Touchscreens schlechter mit trockenen Fingern umgehen können, manchmal sogar gar nicht reagieren. Das ist zum Beispiel dem Personal bei der Gesichter der Renaissance-Ausstellung in Berlin aufgefallen, wo iPod touchs als Multimedia-Guides eingesetzt wurden.

    • Ulrike Elste sagt:

      Klassische und moderne Audioguides gleichzeitig anzubieten, bedeutet tatsächlich nur einen minimalen Mehraufwand. Viele Audioguideanbieter haben sowieso alte und neue Modelle zur Auswahl und könnten beides liefern. Wer Glück hat, bekommt ein älteres Audioguidesystem sogar günstig “Second-hand” vom Anbieter.

      Das Museum als Ort des lebenslangen Lernens – besonders in Bezug auf die Medienkompetenz – finde ich sehr gut. Ich würde ein solches Projekt gern in München umsetzen und suche dafür schon nach Partnern.

      Trockene Finger sind für kapazitive Displays ein grundsätzliches Problem. Ich denke, dass man mithilfe einer guten Einweisung durch geschultes Museumspersonal schon viel ausrichten kann.

  • Passender Artikel – eine Studie über den Grad der Medien-Affinität unterschiedlicher Besuchergruppen von Museen: http://blog.culture-to-go.com/2011/12/09/mobil-devide-erreichen-museen-mit-smartphone-angeboten-ihre-zielgruppen/

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