Warum gibt’s Ausstellungen nur im Museum?
Ich meine hier keine Kunstausstellungen, sondern Ausstellungen die Wissen vermitteln und Inhalte transportieren wollen. Die Kunst hat den Weg aus dem Museum längst gefunden. Ob in Galerien, temporären Kunsthallen, stillgelegten Stadtbädern, ehemaligen Fabrikhallen oder an der frischen Luft – Kunst kann überall bestaunt werden. Warum also nicht auch Wissen?
Sicher werden in Zeiten des lebenslangen Lernens immer mehr Science Center gebaut, aber es werden auch immer mehr Gelder gekürzt und ganze Museen weggespart. Lediglich der Bereich Wissenschaft und Technik verfügt über externe Häuser wie das Klimahaus in Bremerhaven oder über kostspielig ausgestatte Ausstellungen wie »Pillen und Pipetten«. Aber für alle anderen Bereiche wird es vielleicht Zeit den Schritt aus den heiligen Hallen zu wagen und damit meine ich nicht den Schritt in ein Bahnhofsfoyer, sondern überall dort hin, wo die Kunst schon lange ist. Ausstellungen wie »Die jüdische Geschichte des Comics« sind thematisch selbstverständlich nirgends besser aufgehoben als im Jüdischen Museum. Aber Ausstellungen zu allgemeinen Themen, wie »Wiederkehr der Landschaft« und »Kochen, essen, reden – satt?« könnten überall gezeigt werden.
Bremst nicht die Gebundenheit an ein Museum sogar die thematische Vielfalt in der Ausstellungslandschaft? Oder warum gibt es keine Ausstellung über Datenschutz, Terrorismus, Hartz IV oder den Sinn des Lebens? Weil es kein Museum dafür gibt. Warum gibt es überhaupt so wenige Ausstellungen zu aktuellen Themen? Weil das nicht die Aufgabe eines Museums ist. Aber würden Gegenwart und Zukunft nicht vielleicht sogar mehr Besucher interessieren, als die Vergangenheit?
Die Ausstellung als Medium kann mehr
Warum ist die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen nur den Künsten vorbehalten? Im Vergleich zu einer interaktiven Ausstellung sind andere wissensvermittelnde Medien wie Film und Buch nur eindimensionale Objekte. Die Ausstellung als Medium birgt soviel Potential: mittels Infografiken, Texte, Filmen, Geräuschen, interaktiven Stationen, haptischen Erlebnissen und räumlichen Inszenierungen kann Wissen auf so unterschiedliche Weise vermittelt werden, das jeder Lerntyp angesprochen wird. Aber es muss ja nicht immer vorrangig ums Lernen gehen. Was spricht gegen eine Kombination aus z.B. Kunst und Wissen? Bei der Kunstausstellung »Embedded Art – Kunst im Namen der Sicherheit« in der Akademie der Künste hätte ich mir gut eine Kombination aus Kunst und Wissen vorstellen können, bzw. hat mir eben der Lerneffekt gefehlt.
Eine Frage des Geldes?
Wahrscheinlich ist es wie immer alles eine Frage des Geldes. Aber warum gibt es unzählige Kunstfördervereine und Institutionen die Filme und Bücher finanziell unterstützen? Und warum gibt es keine unabhängige Ausstellungskultur?
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