Interaktives aus Holz auf der BUGA
Da Interaktivität in Ausstellungen immer öfter mit digitalen multimedialen Inszenierungen gleichgesetzt wird, hier ein schönes Beispiel für interaktive Exponate aus Holz. Passend zum Thema »Wald im Wandel« ist in dem Aussichts- und Ausstellungsgebäude der Landesforsten Rheinland-Pfalz auf der BUGA in Koblenz alles aus Holz und funktioniert mechanisch. Kein Touchscreen, kein Touch-Tisch, kein Monitor, kein Multimedia, aber weder langweilig für die Jugend, noch unmodern!
Authentizität
Das als Wandelgang konzipierte Gebäude schlängelt sich elegant durch die Landschaft ohne den Blick komplett zu versperren. Durch die luftige Konstruktion und die verschiedenen Neigungswinkel, wirkt das Gebäude nicht so massiv. Das naturbelassene Holz in Kombination mit den grünen Themenstationen ist es kein schriller Fremdkörper auf der Gartenschau, sondern stimmig integriert. Im Gegensatz zu den unweit stehenden weißen Plastikliegen und Zendomes, die wie billige Gartenmöbel und Partyzelte wirken.
Das hier fast ausschließlich mit Holz gearbeitet wird, wirkt sehr authentisch. Wie viel Digitales, wie viel Plastik und Hochglanz-Lack verträgt also eine Ausstellung zu Umweltthemen? Muss alles aus recyclebarer Wellpappe sein, wenn ich über Umweltkatastrophen rede? Sollte der Besucher erkennen, das umweltfreundliche Materialien verwendet werden? Bei Biokunststoffen oder umweltfreundlichen Farbanstrichen wäre das z.B. nicht der Fall. Oder sollte die optimale, auch im finanziellen Sinne, Präsentation der Inhalte im Vordergrund einer jeden Ausstellung stehen?
Haptik vs. Finger Gestures
Statt spiegelglatter Touchscreen-Öberflächen hat der Besucher hier die drehbaren Holzfiguren oder ein Steuerrad aus Metall in der Hand. In weiteren Stationen sind Sanduhren oder Reagenzgläser eingebaut. Die verschiedenen Materialien bieten haptische Abwechslung und auch die beim Bewegen entstehenden Geräusche ziehen positiv Aufmerksamkeit auf sich. Ein Swooshen hören wir schließlich ständig, da wird ein mechanisches Klicken zur Rarität. Eines können diese Holzexponate jedoch nicht: endlos Hintergrundinformationen aus unendlich vielen Ebenen hervorzaubern.
3D ohne 3D-Monitor
Sehr nett gemacht ist die dreidimensionale Landkarte und die Gegenüberstellung von Mischwald und Monokultur. Und das Beste daran: man kann die drei Dimensionen nicht nur ohne 3D-Monitor, Shutter-Brille etc. sehen, sondern auch anfassen. Wem also das nötige Kleingeld für modernste Multimedia-Stationen fehlt, der kann sich hier inspirieren lassen. Oft sind ja auch die einfachen Dinge gut. So erzielen z.B. die ausgeschnittenen Figuren auf der vorderen Ebene der Hörstation »In guten Händen« auch eine räumliche Wirkung. Wer also meint, es gäbe nur Touch-Tische oder schnöde Texttafeln, sieht hier, wie man auch mit analogen Mitteln, Exponate spannend und vielseitig gestalten kann.
Liebevolle Handarbeit
Obwohl ich selbst fast ausschließlich am Computer arbeite und weiß, das auch Digitales liebevoll gemacht wird, so würde ich wohl kaum »liebevolle Handarbeit« zu einem intuitiven Touchscreen-Interface sagen. Beim Anblick der Exponate in diesem Wandelgang, ist es das erste, was mir in den Sinn kommt. Zeit, sich ein paar neue Worte für digitale Wertschätzungen zu überlegen, oder? Schließlich bin ich ja auch ein Fan von Touchscreens…
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